Die Begale verteilt Geschenke

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Manche Menschen, die keine Freunde haben, müssen sich Sympathie erkaufen. Diese Sorte neigt dazu, sich Positionen zu erkämpfen, in denen sie über das nötige Geld verfügen können. So mag es gekommen sein, dass die linke und recht Hand des verstorbenen Düsseldorf Oberbürgermeisters, nun seit einiger Zeit Geschäftsführerin der sportAgentur Düsseldorf GmbH ist, einer Institution mit unklarer Aufgabe, unfähigem Aufsichtsrat, aber ordentlicher finanzieller und personeller Ausstattung. Recht eigentlich ist die sportAgentur (nur echt mit dem Deppengroßbuchstaben in der Mitte…) eine der vielen Altlasten, das uns Düsseldorfer die Ära Joachim Erwin beschert hat. Der hatte sich Zeit seiner Machtausübung für den Sport starkgemacht und den Euphemismus von der Sportstadt Düsseldorf erfunden und penetrieren lassen. Willige Helfershelferin dabei war die ewige Pratikantin Christina Begale – und genau die hat nun bei der sportAgentur das Sagen.

Man erinnere sich:

Christina Begale, geboren in Oberhausen, gelernte Bankkauffrau, war für Mannesmann-Demag in Brasilien und Duisburg tätig. Sie lernte den rumänischen Sportmanager Ion Tiriac kennen, unterstützte ihn bei der Tennisturnier-Organisation und arbeitete bald für die Unternehmensberatung Roland Berger. Später absolvierte sie an einer Heidelberger Akademie ein zweijähriges Studium zur „Fachfrau für politische PR und Kommunikation“. Ihre 45-seitige Abschlussarbeit verfasste CDU-Mitglied Begale über den ihr bis dato nicht sonderlich bekannt gewordenen Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) und seine ersten hundert Tage im Amt. „Ein Macher aus der neuen Generation von Oberbürgermeistern“, so lautete ein Fazit der Arbeit. [Quelle: Welt Online vom 20.04.2003

Sportsfrau Begale
Erwin, wie jeder Fürst nicht immun gegenüber Schmeicheleien und Arschkriechereien, verpflichtete das Tiriac-Mädchen und machte sie im Sinne seiner Sportstadt-Strategie zur Sportbeauftragten der Stadt. In die Zeit ihres Wirkens fallen das grandiose Scheitern einer lächerlichen Olympia-Bewerbung, die Absage des DFB an Düsseldorf als WM-Spielort (nicht mal – wie von Erwin als Kompensation verlangt – das WM-Pressezentrum kam in de Stadt…), dafür aber die Austragung eines Skilanglauf-Weltcup-Termins am Rheinufer und der so genannte „DTM-Auftakt“, bei dem 300.000 Leute aus Bergheim und Kerpen zugucken, wie hirnarme Rennfahrer Dreck und Krach auf der Kö machen.
Nachdem sie also diesen Bereich in den Sand gesetzt hatte, sich dafür aber zur brutalstmöglichen Hofschranze ihres Herrn hoch geschleimt hatte, wurde sie zunächst offiziell seine Assistent und später sogar Leiterin des OB-Büros. In dieser Phase wurde sie durch öffentliche Unflätigkeiten gegenüber hiesigen Wirtschaftsgrößen verhaltensauffällig, durch eine Liaison fou mit dem überlebensgroßen Riesenkünstler Lüpertz und durch hofdamenartige Anweisungen an öffentliche Institutionen. Durch Stutenbeißereien und wütende Ausfälle verstand sie es, jede mögliche Freundschaft im Keim zu ersticken und existierte in der Stadt nur dank der Gande ihres Fürsten.

So schien es nach dem Tod des OB Joachim Erwin im Mai 2008 nur eine Frage der Zeit bis seine Protegistin aus der Stadt gejagt würde. Tatsächlich ließ sich dieses Vorhaben gut an. Aber sie hielt sich, zumal der Nachfolger Erwins, der die Begale auch nicht leiden kann, sich mit ihrer Suspendierung schwer tat. Zumal sie durch ihren Chef nach dem Tod von Alexander Leibkind im Jahr 2006 kommissarisch Geschäftsführerin der Düsseldorf Marketing & Tourismus Gesellschaft (DMT) bestimmt worden war und dort über zwei Jahre nichts als Chaos veranstaltet hatte. Und über diesen Posten gelang es der Begale – die zwischenzeitlich ein Kind von einem nicht genannten Vater geboren hatte – sich zu halten. Nach einigem Hickhack einigten sich die Ratsfraktionen darauf, die Dame in eine Unterfirma der DMT, ebenjene sportAgentur zu verklappen. Und sie übrigens gleich in Büroräume in der Mehrzweckarena anzuschieben – weit ab vom Geschehen der Stadt. Dies alles in der Hoffnung, dort können sie keinen Schaden anrichten. Ob es daran lag, dass die Büroleiterin ganz in der Tradition ihres Meisters Dossiers über Leute angelegt hatte, die ihr daraufhin wohlgesonnen agierten, ist nicht bekannt.

Jedenfalls gab man ihr einen Stab von fünf Mitarbeitern und um die zweieinhalb Millionen Spielgeld. Was ist aber die sportAgentur? Sie stellt sich selbst so dar:

Als zentrales Bindeglied des Düsseldorfer Sportveranstaltungsnetzwerkes ist die Sportagentur kompetente Anlaufstelle und Ideengeber für Veranstalter, Sportfachverbände, Sponsoren und Öffentlichkeit. In dieser Konstellation vermarktet die Sportagentur ihr vielfältiges Veranstaltungsangebot und transportiert dadurch das dynamische und weltoffene Image der Sportstadt Düsseldorf. [Quelle: Sportstadt Düsseldorf]

Das hörte sich aber in den Informationen des Stadtsportbunds anders an:

Die sportAgentur vermarktet den Düsseldorfer Sport. Aufgaben: Vermittlung und Unterstützung bei der Organisation von nationalen und internationalen Sportveranstaltungen; Durchführung von PR- und Werbemaßnahmen; Anlaufstelle für alle Veranstaltungsplanungen oder -ideen; Unterstützung und Beratung von Ausrichtern z.B. bei der Vorplanung, Unterstützung des Spitzensports und Förderung von Sporttalenten.
[Quelle: Sportslife 3/2006 – Informationen des Stadtsportbunds Düsseldorf]

Subventionen, Subventionen
Dieser Tage gab die Begale’sche sportAgentur nun die jährliche Vergabe von Fördermitteln bekannt. Da ist dann von Anlaufstelle, Ideengeber und selbst von Spitzensport nicht mehr die Rede. Denn die insgesamt 2,7 Millionen Euro werden als Subventionen an den Düsseldorfer Profisport verteilt. Dazu zählen neben der glorreichen Fortuna (Zuschauerschnitt: 22.815) und dem Serienmeister im Tischtennis Borussia (Zuschauerschnitt: ca. 1.100) auch die drei Mannschaften, die massiv unter mangelhaftem Zuschauerinteresse leiden: DEG (Eishockey – Zuschauerschnitt: 5.280)), HSG (Handball – Zuschauerschnitt: ca. 1.870) und Giants (Basketball – Zuschauerschnitt: ca. 2.280). Kritik an der Subventionierung von Spoort-Event veranstaltenden Wirtschaftsunternehmen bügelt die Begale mit dem Hinweis darauf weg, dass jeder Sessel in Theater und Oper jährlich mit 135 Euro subventioniert werde, während dies im Falle des Sports nur 2,70 Euro seine, weil ja insgesamt eine Million Menschen Düsseldorfer Sport-Events besuchten. Das ist nicht einmal eine Milchmädchenrechnung, denn diese behauptet Million Besucher verteilt sich sehr ungleichmäßig auf die Sportarten.

Nun sind Beträge um die 100.000 Euro für die genannten Proficlubs noch halbwegs nachvollziehbar im Sinne der Wirtschaftsförderung, sorgen dich zugereiste Besucher für Umsatz und damit Steuereinnahmen. Der Skandal der diesjährigen Subventionsverschenkung ist aber, dass die Basketballer der Giants, die in Düsseldorf unter Sportfreunde alles andere als beliebt sind, ein Sondergeschenk in Höhe von fast 500.000 Euro bekommen. Um die Ungeheuerlichkeit zu verstehen, muss man einen kurzen Blick in die Geschichte des hiesigen Basketballs tun.
Über Jahrzehnte wurde der repräsentiert durch die Korbballwerfer des Allgemeinen Rather Turnvereins (ART), einem Verein, der in den siebziger Jahren aus der Fusion des Allgemeinen Turnvereins (ATV) und des Rather Sportvereins (Rather SV) hervorgegangen ist. Der ATV selbst wurde im Zuge der deutschen Turnbewegung im Jahre 1877 gegründet. Dies Basketballer des ATV erreichten mit dem Gewinn der deutschen Basketballmeisterschaft im Jahr 1965 ihren Höhepunkt.
Ende 2001 wurde eine eigene GmbH ausgegründet, die das Team der Düsseldorf Magics in der zweithöchsten deutschen Profiliga unterhalten sollte. Hauptsponsor wurde der Krefelder Unternehmer Gerald Wagener. Aus welchem Grund auch immer legte sich die damalige Sportbeauftragte Begale mit den Magics und vor allem ihrem Hauptsponsor an. In den Wirren um die abenteuerliche, von OB Erwin zu verantwortende Finanzierung der Düsseldorfer Mehrzweckarena, entstand eine wahre Erbfeindschaft zwischen Erwin sowie seiner Assistentin und dem Magic-Sponsor. Dem Team wurde jeder denkbare Stein in den Weg gelegt.

Nachdem bekannt wurde, dass der Bayer-Konzern seine Sportsubventionen drastisch zurückfahren würde, geriet die Finanzierung des dortigen, traditionsreichen Basketball-Teams der Bayer Giants in Existenznot. Das sahen Erwin und Begale als Chance, die ungeliebten Magics loszuwerden. In Geheimverhandlung bot man dem Management der Giants den Umzug nach Düsseldorf an. Als die zusagten, kündigte man den Magics den Mietvertrag in Halle mit dem bescheuerten namen „Burg-Wächter Castello“ und machte das Team damit heimatlos. Zu den Vorgängen sagte Hauptsposnor Gerald Wagener seinerzeit als Schlusswort am 26.05.08 auf der – nicht mehr bestehenden – Website der Magics:

Es gibt – glaube ich – wenige Journalisten, bei denen mich Frau Begale, die Geschäftsführerin der DMT – nach den mir zugetragenen Informationen – noch nicht als Mitglied der Russenmafia tituliert haben soll. Schlimmer ist, dass während der gesamten Saison 07/08 fortwährend übler Druck auf die Magics ausgeübt wurde. So hatte unser Geschäftsführer Klaus Wischnitzki phasenweise Angst um seinen Job bei der Stadt Düsseldorf. Wir haben klare Hinweise, dass es auch Frau Begale gewesen sein soll, die die Leitung des Burg Wächter Castellos angewiesen hat, Fans unliebsame Plakate durch die Security wegnehmen zu lassen.

Mit anderen Worten: Die Erwinista hat den Umzug der Giants nach Düsseldorf betrieben, um die Magics und vor allem Wagener aus der Stadt zu kriegen. Und genau diesen Verein, den man gegen alle Interesse der hiesigen Basketballfreunde in das Castello umgetopft hat, subventioniert die Begale jetzt mit 480.000 Euro.

Pressestimmen
Auf die Begale’sche Geschenkverteilung reagiert die Düsseldorfer Lokalpresse mit unterschiedlich gelagerter Skepsis. Die WZ betrachtet sie Angelegenheit mehr oder weniger neutral:

Die Giants sind unter Druck, nicht nur sportlich. In der Basketball-Bundesliga dümpeln sie im Tabellen-Keller herum, beherrschendes Thema vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen Paderborn aber war das Geld. Denn in der Kasse klafft ein Riesen-Loch – verursacht vor allem durch den Rückzug eines Sponsors.
Die Stadt will helfen: 480.000 Euro Extra-Zuschuss hat die städtische Sportagentur eingeplant – zu den 90.000 Euro, die eh schon vorgesehen waren. Das ist viel, angesichts der Tatsache, dass der gesamte Giants-Etat nur gut zwei Millionen Euro umfasst. Dennoch sind sich die Sportpolitiker einig. [Quelle: WZ Newsline vom 09.12.09]

DerWesten arbeitet dagegen den Skandal ansatzweise heraus:

Die Förderpolitik der Düsseldorfer Sport-Agentur soll 2010 auf den Prüfstand kommen. Mehrere Fachleute und Politiker haben Bauchschmerzen mit dem System der freihändigen Vergabe von Millionen Euro Steuergeldern,wie die NRZ berichtete. Dabei macht sich Kritik sowohl an wiederholten hohen Zahlungen an die Profi-Basketballer der „Giants” wie auch an der Agentur-Geschäftsführerin Christina Begale breit.[Quelle: DerWesten vom 0.12.09]

Und die RP versucht – wie üblich – die Angelegenheit herunterzuspielen:

Der Aufsichtsrat der Düsseldorfer Sportagentur hat jetzt mit Mehrheit einem Vorschlag zugestimmt, im kommenden Jahr 2,7 Millionen Euro Zuschüsse für Sportvereine und Sportveranstaltungen zu zahlen. Darin enthalten sind auch 480.000 Euro, die die Giants erhalten sollen. Bei den Basketballern ist ein Sponsor abgesprungen und der Verein ist nun in akuter Finanznot. Warum schlägt der Aufsichtsrat vor, einen Profi-Verein mit einer solchen hohen Summe zu unterstützen?
Quer durch alle Fraktionen ist man der Meinung, dass attraktiver Sport die Qualität der Stadt stärkt. Außerdem sieht man Sportveranstaltungen als wichtiges Angebot an die Bürger, für die solche Events wichtiger Teil der Freizeitgestaltung sind. Die Giants sind seinerzeit von Joachim Erwin von Leverkusen nach Düsseldorf geholt worden. Man hatte dem Verein damals zugesagt, dass die Stadt helfen würde – allerdings waren das bis jetzt lediglich 90 000 Euro pro Jahr. Wer bekommt Geld – und wieviel? [Quelle: RP-Online vom 11.12.09]

Klar scheint, dass es das letzte Mal war, dass die Begale Geld nach Gutdünken verschenken darf. Wie genau sich die Zuständigkeiten ändern werden, ist offen, dass es aber eine neue Konstruktion rund um DMT und sportAgentur geben wird, ist beschlossene Sache. Vielleicht könnten die zuständigen Ratsvertreter bei der Gelegenheit dann doch noch die endgültige Verabschiedung der schlimmsten personellen Erwin-Altlast veranlassen.

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3 Kommentare

  1. Tommy_99 am

    Was die alleinerziehendeMama wohl weiß (und verschweigt), damit ihr keiner auf die Füßchen tritt?

    Na?

  2. wer weiss welcher kommunalen polit-, und oder wirtschaftsgröße sich die rathausplatzpflasterin im sinne der erpressungsdienstlichen nachkommenschaft hingegeben hat. gibts im neuen rheinstadion ne besenkammer?