[Upd.2] Erwin kriegt keine Brücke

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Update 2: So, Erwin kriegt doch keine Brücke. Das hat heute der Nachfolger des rasenden NRW-Verkehrsministers, ein gewisser Lutz Lienenkämper, entschieden. Damit ist der Weg frei für die einzig wahre Umbennung zu Ehren des im vergangenen Jahr verschiedenen OB. Hiermit plädiere ich erneut dafür, den Worringer Platz in Joachim-Erwin-Platz umzutaufen. Denn für diesen ehemaligen Schandfleck der Stadt hat Joachim Erwin wahrhaft großes geleistet. Ja, dieser Platz ist sein wirkliches Vermächtnis. Alle Unterstützer der Idee mögen sich bitte hier per Kommentar melden, damit wir weiteres veranlassen können.

Update:Nachdem eigentlich jeder halbwegs vernünftige Mensch in der Stadt dachte, das Thema sei passé, hat jetzt der erfolglose Bundesverkehrsminister Tiefensee verlauten lassen, er habe nichts dagegen, dass die Flughafenbrücke nach dem verstorbenen OB Erwin benannt wird. Mit anderen Worten: Ihm ist es egal, wie das Ding offiziell heißt. Die versammelten ehemaligen Speichellecker des JE jubeln natürlich, die bestmögliche Begründung gab aber das ewige Düsseldorfer Polittalent Olaf Lehne, der sich mit seinem Vorschlag endlich mal profilieren wollte, was tüchtig in die Hose ging. Er sagt: „Es ist richtig, Joachim Erwin damit zu ehren, und ich weiß nicht, was man dagegen haben könnte.“ Oha, da wüsste der Verfasser dieser Zeilen aber ne Menge Leute, die was dagegen haben, dass ein OB, dessen verfehlte Politik sich in einer Reihe von Skandalen und den Folgen aberwitziger Privatisierungen zeigt, so geehrt wird. Es ist an der Zeit, die Politik dieses OBs der Reichen und Schönen neu zu bewerten.

Unter den Beobachtern der als Erwinista bekannten Gruppe der Bewunderer des verblichenen Düsseldorfer Oberbürger- meisters Joachim Erwin liefen bereits die Wetten: Wann wird die mittlerweile entwaffnete Kamerilla fordern, irgendein Teil von Düsseldorf nach ihrem ewigen Vorturner zu benennen, und welchen Platz wird es dabei treffen? Nun ist es raus. Vertreter des Düsseldorfer Brauchtums – so formuliert die RP Online – und der örtlichen CDU haben vorgeschlagen, die so genannte Flughafenbrücke nach dem Verstorbenen zu benennen. Das Gejohle unter der interessierten Bevölkerung ist groß – hätte im Falle der Verwirklichung Düsseldorf dann je eine Brücke, die (gegen den Willen der Bevölkerung) nach einem Kardinal benannt ist (Josef-Kardinal-Frings-Brücke – eigentlich schlicht Südbrücke), eine, die einem Bundespräsidenten gewimdet ist (Theodor-Heuss-Brücke aka Nordbrücke), und schließlich die Joachim-Erwin-Brücke.

Das hat was. Betrachtet man die Reihe von Süden nach Norden, dann kann es nach Erwin nicht mehr tiefer gehen. Vor dem Kardinal wäre noch Platz – aber um die Fleher Brücke umzubenennen, müsste es dann mindestens ein Papst sein. Schließlich könnte man die Kniebrücke dann nach jemandem benennen, der rangtechnisch zwischen einem Kirchenfürsten und einem König der Deutschen läge – sollte hier Düsseldorfer Lokalkolorit gefragt sein, käme eigentlich nur Campino von den Toten Hosen in Frage.

Bei Licht betrachtet ist die Aktion der anonymen Brauchtümler – andernorts einfach Klüngel genannt – nichts anderes als der Versuch, den, gelinde ausgedrückt, umstrittenen Bürgermeister nach dessen Tod zu überhöhen. Damit soll anscheinend den Kritikern, die zu Recht fragen, was genau denn so toll an der Leistungsbilanz des ehemaligen OBs ist. der Wind aus den Segeln genommen werden. Gleichzeitig sollen die wirklich erfolgreichen SPD-Oberbürgermeister nachträglich miniaturisiert werden.
Tatsächlich haben die Düsseldorfer noch lange nicht jeden OB durch einen Straßennamen oder mehr öffentlich geehrt. So trägt das älteste Hochhaus der Stadt den Namen des Ende des 18. Jahrhunderts überaus erfolgreichen OB Wilhelm Marx. Nach den Oberbürgermeistern Karl Arnold, Willi Becker, Klaus Bungert, Georg Glock, Josef Gockeln, Robert Lehr, Ernst Heinrich Lindemann, Peter Müller und Fritz Vomfelde sind Straßen, Plätze oder andere öffentlichen Stellen benannt worden. Dass einer der hervorragendsten OBs der Stadt, Josef Kürten, noch nicht in derlei Genaus gekommen ist, mag daran liegen, dass er noch lebt…

Nein, es spricht wenig dagegen, eines Tages irgendeine Sackgasse nach Herrn Erwin zu benennen. Er hätte dafür Verständnis. Hat er doch zu Lebzeiten mit großem Auftritt ein Sträßchen nach dem Fußballgott Toni Turek benannt, dass dann aufgrund von Planungsschwierigkeiten bislang nie entstanden ist. Derartiges stünde dem Machiavelli unter den Düsseldorfer Stadtführern nicht schlecht zu Gesicht.
Engagierte RP-Online-Leser haben da noch schönere Vorschläge auf der Pfanne. Man könne doch den Worringer Platz nach JE taufen. Dazu muss man wissen, dass es sich dabei um den allerhässlichsten Innenstadtplatz handelt, den Joachim Erwin seinerzeit für viel Geld und mit größem Mediengetöse hat verschönern lassen – was ungefähr vier Monate lang von Erfolg gekrönt war. Interessant auch der Vorschlag, nach der Bebauung des Jan-Wellem-Platz – ein Vorhaben, das er mangels Lebenszeit nicht mehr durchpeitschen konnte – ein Stückchen vom Kögraben umzuwidmen.
Da fällt dem Kenner der Stadt noch mehr ein: Wie wär’s mit dem Vorplatz des monströsen Einkaufszentrums „Düsseldorf Arcaden“ am Bilker Bahnhof, dessen Bau Erwin gegen jeden Widerstand und gegen jede Vernunft durchgesetzt hat? Oder sollte besser die Subventionsruine, die zur Zeit noch LTU-Arena heißt, nach dem Mann benannt werden, der den Bürgern durch seine Methodik auf nicht absehbare Zeit Kosten in Höhe von um die 10 Millionen Euro pro Jahr aufgehalst hat? Wie wär’s mit dem Burgplatz, den Herr Erwin qua Überachungskameras, Ordnungsdienst und Polizei vom Gesocks befreien wollte? Spuren, unter denen die Düsseldorfer leiden oder leiden werden, hat der baufreudige OB genug hinterlassen – da wird sich doch etwas finden, dass seinem Denken, Fühlen und Handeln besser angemessen ist als die ästhetisch wenig überzeugende Brücke von Düsseldorf nach Meerbusch.

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9 Kommentare

  1. Die von Dir genannten „engagierten RP-online-Leser“ sind derweil schon zensiert worden („Dieser Kommentar entsprach nicht den AGB von RP ONLINE.“)… Wie ungewöhnlich….

  2. Für diese Brücke wurden zu meinen Lebzeiten jahrelang und zum (aber nur zu noch meinem)Glück brachliegende Schrebergärten sich selbst bzw. marodierenden Jugendlichen überlassen. Die Herkulesstaude fand ihr ungewolltes Refugium und eine Haltestelle wurde für eine kurze Zeit gerettet.

    Wenn ich es mir jetzt ansehe, sehe ich, daß es sich dort weder zu spielen, noch zu wohnen lohnt. Tja.

    Ach ja, der OB-Name. Warum kein Mahnmal in Dusseldorf. Wäre doch wurscht, oder interessiert es außerhalb des Dunstkreises irgendwen?

  3. Ich hatte noch vor dem Bau in Leserbriefen gefordert, das klotzige Einkaufszentrum am Bilker Bahnhof nach Erwin zu benennen, damit man sich in zehn Jahren noch daran erinnert, wer für diese Bausünde einst verantwortlich war. Die Briefe sind wohl nicht mehr auffindbar… Aber was soll´s? Ich kenne niemanden, der zur Südbrücke etwas anderes als Südbrücke sagt. So würde wahrscheinlich auch die Flughafenbrücke bei ihrem Namen bleiben. (Obwohl…, sie ist neuer… eigentlich den Düsseldorfern gar nicht als eigne Brücke bewußt…) Viel bedenklicher ist, daß unsere damalige und derzeitig Opposition es total verpennt, die Machenschaften des verstorbenen OB offenzulegen. Der schlaffe Nachfolger, damals auch ein stillschweigender Dulder, würde sich kaum zur Wehr setzen können. Die Erwin-Lähmung, von denen die Politik in unserer lieben Stadt zu viele Jahre befallen war, wirkt noch immer. Im Wahlvolk wie in allen Parteien.

    PS: Da die Sache mit dem Einkaufszentrum gegessen ist, würde ich jetzt den geplanten Tunnelausgang kurz vor dem Theatermuseum oder den zwischen Kaufhof und Parkhotel auf der Elberfelder Straße vorschlagen: Erwin-Trichter – Auch das sind Dinge, die uns in Zukunft noch an den Großen der Speichellecker erinnern werden.

  4. Pingback: Rainer’sche Post » Initiative “Ein Platz für Erwin”

  5. FalscheRheinSeite am

    Ja der Worringer Platz soll den Namen des Größten Bürgermeister aller Zeiten tragen. Gehe sogar noch weiter. Der Rhein sollte in eben diesem Grün Nachts beleuchtet werden. Damit alle Bürger dran teilhaben können.

  6. Wenn ich als Auswärtiger auch mitmachen darf, ich bin dabei. Selbstredend.
    Und bevor jemand fragt: nein ich bin nicht aus der verbotenen Stadt.

  7. Chattingrave am

    Sehr geehrter, lieber und sehr geschätzter Herr Bartel, die Entscheidung des „neuen“ Ministers ist für mich die erfreulichste Nachricht seit langer Zeit !
    Es muss doch endlich einmal Schluss sein mit der nicht enden wollenden „Götzen-
    verehrung“ und dem schon krankhaften Personenkult, der – aus welchem Grund auch immer – „dankbaren“ – peinlich devoten Vereinsmeier … !

  8. Pingback: Rainer’sche Post » Brücke verrückt