Orangene Monster in den Grünanlagen

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Den Volksgarten kenne ich schon mein ganzes Leben lang. Nach allem, was ich von meiner Mutter weiß, führte ihr erster Spaziergang mit mir von der Corneliusstraße runter zur Düssel, dann den Weg entlang bis zum Hennekamp und rüber in diesen Park, der auf dem Gelände einer Munitionsfabrik entstanden ist. Das war dann wohl kurz vor Weihnachten 1952. Lange Jahre hatte sich der Volksgarten kaum verändert. Da war und ist der Weiher mit dem Bootshaus, an dem man früher Ruderböötchen mieten konnte. Da war und ist einer der ersten in Düsseldorf angelegten Wasserspielplätze. Und da gibt es bis heute die sogenannte „Ballonwiese“, deren östlicher Rand für uns damals das Ende der zivilisierten Welt darstellte – den von dort bis zur Siegburger Straße erstreckte sich vor dem Bau der Philipshalle eine Mischung aus illegalen Kleingärten und Brache. Die massivste Veränderung erlebte der Volksgarten aber in der Vorbereitung zur Bundesgartenschau 1987.

Zwar war man sich einig, den Park in seiner Struktur unangetastet zu lassen und vorsichtig zu modernisieren, aber ein paar Neuheiten kamen dann doch in die Grünanlage meines Lebens. Zuständig war in den Jahren ab etwa 1980 der sogenannte „Buga-Ausschuss“ des Stadtrats, in dem ich für die Grünen als „sachkundiger“ Bürger saß. Tatsächlich widmeten sich die Planer und damit auch der Ausschuss mehr dem neuen Park, der zwischen Volksgarten und Witzelstraße bzw. Siegburger Straße und Stoffeler Freidhof entstehen sollte. Dort mussten unter Protest Kleingärnter und Kleinbetriebe weichen, um eine genügend große zusammenhängende Fläche zu bekommen. Leider traf es nicht nur Leute, die sich über die Jahre nach dem Kriegsende illegal oder halblegal dort angesiedelt hatten. Aber die legalen Kleingärtner fanden samt und sonders Ersatz in den neustrukturierten Vereinsgeländen im Westen des Südparks. Der Bauernhof oben an der B8, in dem jahrelang Künstler-WGs hausten und legendäre Partys feierten, kam weg. Statt dessen entstand entlang des Fahrwegs der Kinderbauernhof mitsamt seiner Gastronomie – beides wurde in die Hände der Werkstatt für angepasste Arbeit (WfaA) gelegt, die zudem den Auftrag bekam, die gärtnerische Pflege des gesamten Südparks zu übernehmen.

Die WfaA-Leute machen den Park
So sieht man seit 1987 zu jeder Jahreszeit die Menschen mit Behinderung, die bei der WfaA tätig sind, im Park bei der pflegerischen Arbeit. Unterwegs sind sie mit ihren Fahrrädern (die teilweise voller Stolz mit einem Schild als „Dienstfahrrad“ gekennzeichnet sind) oder zuckeligen Elektrokarren. Sie verrichten das, was Gärtner so tun, mit viel Liebe und enormem Fleiß und sind immer für ein Schwätzchen zu haben. Man kann auch sagen: Dass die WfaA-Leute den Südpark betreuen, ist der Hauptgrund dafür, dass diese ausgedehnte Grünanlage immer in einem fantastischen Zustand ist. Das gilt vor allem für die Gärten – ein sich über 600 Meter entlang der Düssel ziehender Streifen, in dem die unterschiedlichsten Formen gärtnerischer Kultur exemplarisch angelegt sind (worüber ich demnächst einmal schreiben werde).

Das alles kann ich auch deswegen so gut beurteilen, weil ich schon mit unserer Galgo-Hündin Pina mehrmals die Woche dort spazierenging. Und mit Clooney gehört die bei uns legendäre „Große Parkrunde“ zum festen Gassi-Programm. Diese Runde beginnt am Zeitfeld im Volksgarten. Von dort aus bewegen wir uns immer am äußersten Rand von Südpark und Volksgarten, was eine Strecke von rund 7,5 Kilometern ergibt. So wissen wir immer, was im ehemaligen Buga-Gelände los ist. Und ärgern uns immer wieder und zunehmend über die orangen Monster.

Alles vom Auto aus
Denn während der Südpark in WfaA-Händen ist, treibt das Düsseldorfer Gartenamt im Volksgarten sein Unwesen. Am Rand des Philipshallen-Parkplatzes hat das Amt eine Dependance, die man daran erkennt, dass dort immer orangefarbige Kleinlaster rumstehen. Wenn sie nicht gerade im Volksgarten selbst oder an der Düssel unterwegs sind. Eigentlich sind vormittags immer mindestens zwei solcher stinkender Kisten auf Achse, die so gerade eben auf die Wege passen. Besetzt sind die Wagen vorwiegend mit drei Herren, von denen einer der Fahrer ist. Dass er der Fahrer ist, erkennt man daran, dass er sein Fahrzeug nicht verlässt, wenn die Kollegen arbeiten. Ja, okay, wenn Pause ist, dann schwingt auch der Fahrer sein Hinterteil aus der Orangen-Büchse. Aber sonst…

Immerhin zockeln diese Motorenmonster durchweg mit Schrittgeschwindigkeit durch den Park, sodass niemand ernsthaft gefährdet wird. Manche Fahrer nehmen sogar so etwas wie Rücksicht und lassen Kinderwagenschieberinnen und Hundehalter vorbei. Andere fahren sehr langsam, aber unerbittlich auf die Opfer zu und erwarten ganz selbstverständlich, dass man ausweicht. Meist steuern die orangenen Lkw aber die Ecken an, in denen die Gartenämtler ungestört Pause machen können. Beliebt ist z.B. der Parkplatz auf der Südseite der Düssel an der Gurlittstraße. Um dort hin zu gelangen, muss der Orangenfahrer vom Hennekamp am TuRU-Platz einbiegen und den südlichen Weg entlang des Bachs bis zu seinem Bestimmungsort zurücklegen. Dass die Jungs das regelmäßig machen, kann man am Zustand des Weges ablesen. Denn das Gewicht der Laster hinterlässt nicht nur Spuren im Grund, sondern verdichtet den Boden so, dass Regenwasser nicht mehr versickert. Ergo gibt es in den Spurrillen tiefe Pfützen.

Das gilt für den eigentlichen Düsselweg zwischen Hennekamp und Mecum-/Erasmusstraße in ganz besonderem Maße, denn den nutzen die cleveren Berufsgartenchauffeure gern als Abkürzung. Ja, tatsächlich: Man sieht den knalligen Kasten am TuRU-Platz einbiegen, gemächlich am Bach lang gondeln und am Ende dann in die Erasmusstraße fahren als sei nichts gewesen. In der Gegenrichtung kommt das natürlich auch vor. Noch verrücjter wird’s, wenn Spezialisten etwas zu erledigen haben. Oberhalb des Düsselwegs verläuft die Färbnerstraße. Wenn also beispielsweise die neu gepflanzten Bäumchen an der Böschung dort zu begutachten sind, dann sollte man meinen, dass der unvermeidliche Orange-Karren sich den Pflanzungen oben auf der Straße nähert. Weit gefehlt: Über den ramponierten Fußweg scheint’s mehr Spaß zu machen.

Und so stieß ich kleiner Querulant kürzlich mit einem solchen Spezialistenteam zusammen, das partout nicht anhalten wollte, damit ich mit Clooney vor ihnen die Treppe zur Straße erreichen konnte. Zugegeben, ich brüllte die Typen einigermaßen unflätig an. Aber das Echo war beeindruckend und erweiterte meinen Wortschatz. Und als der eine mir anbot, die Sache auszuboxen, hinderte mich nur der inzwischen leicht verstörte Hund daran, den ersten Schlag zu tun.

Dienstleister oder Parkfürsten?
Man könnte das alles als Nebenwiderspruch abtun, hätte das orangene Treiben der Gartenamtsleute nicgt die Folge, dass der Volksgarten gerade in den Zeiten hoher Pflegerei ziemlich ungemütlich wird. Zumal die ganze Rumfahrerei mit Sprinter-Pickups ja auch ganz offensichtlich unnötig ist. Wie’s geht, machen die WfaA-Leute ja vor. Und ob es wirklich nötig ist, zwei Harken über 500 Meter per Motorfahrzeuge zu bewegen, ist nicht einmal diskussionswürdig. Immerhin produzieren die Verbrennungsmotoren auch bei langsamen Lauf schädliche Abgase – und das ausgerechnet in einer Gegend, die für eine Verbesserung der Luftqualität in der Stadt sorgen soll. In diesem Sinne wäre es sicher sinnvoll, wenn die Verantwortlichen beim Gartenamt diese Angewohnheiten ihrer Mitarbeiter einmal genauer betrachten und über Abhilfe nachdenken. Aber auch der Rat der Stadt könnte die Sache besprechen und Richtlinien setzen – nach der Wahl werde ich interessierte Ratsmitglieder auf die Angelegenheit ansprechen.

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